Der Elbdeich bei Fährmannssand war gestern Zuschauertribüne für ein ungewöhnliches Spektakel. Vom Wall aus verfolgten Spaziergänger dicht gedrängt, wie speziell ausgebildete Hütehunde Gruppen von Schafen des Züchters Karl-Heinz Körner mit spielerischer Leichtigkeit durch abgestecktes Gelände dirigierten. An diesem Wettbewerb, der bereits zum zweiten Mal in Verbindung mit einem Hoffest auf Fährmannssand veranstaltet wurde, beteiligten sich 30 Schäfer und Hundeführer aus dem gesamten Bundesgebiet.
"Kliff", anderthalbjähriger Border-Collie der Schafzüchterin Nicole Onkelbach (41) aus Höxter, hat die Nase voll und anderes im Kopf, als auf die rund 20 leisen, blitzschnellen Pfeifsignale seiner Chefin zu achten. Irgendwo im Zuschauerbereich hat er eine läufige Hündin gewittert, und er ist noch zu jung, um derartigen Verlockungen des Jobs zuliebe widerstehen zu können. Weil er unaufmerksam ist, muss er zurück ins Auto, und statt seiner darf der erfahrene "Duke" die Regie übernehmen.
Onkelbach setzt für ihre Schafzucht mit derzeit rund 500 Tieren seit elf Jahren Hütehunde ein und hat bei europaweiten Vergleichswettbewerben schon Platz 20 geschafft. Macho-Gehabe müssen die Vierbeiner sich komplett abschminken. Hütehunden wird zum Beispiel ein eingezogener Schwanz anerzogen. "Wenn die mit aufgestellter Rute und wedelnd auf eine Schafherde zuliefen, würden sie die Tiere in helle Aufregung versetzen", berichtete Onkelbach.
Von größerer Bedeutung dagegen und daher ausdrücklich gewünscht ist ein intensiver Blickkontakt. Er ist entscheidend dafür, wie nahe der Hund sich an die Herde heranarbeiten muss, um das Leittier mit der Kraft seiner Augen so zu beeindrucken, dass es sich seinen Richtungsvorgaben unterordnet. Diese Distanz beim Fixieren ist bei jedem Hund und jedem "Flirt" mit Blicken unterschiedlich.
Die besten Hütehunde haben außerdem äußerst feine Ohren und können aus mehreren hundert Befehlssignalen das einzige für sie aktuell gültige heraushören. Das einschneidendste davon bedeutet "Stopp". "Dabei überschlägt sich der Hund notfalls aus vollem Lauf", erklärte Onkelbach. Was auch passiert: Ein Hütehund muss das Maul halten. Jedes Bellen ist im Wettbewerb ein ebenso tödlicher Fehler, wie es ein Biss wäre.
Am Elbdeich war es Aufgabe der Hunde, aus einer Schafherde fünf Tiere zu separieren, sie auf möglichst gerader Linie durch Tore zu treiben, den einen Teil auf einer abgesteckten Fläche zu halten und zwei Schafe vom Rest zu trennen und wieder zusammenzuführen. In ihrer eigenen Herde setzt Onkelbach die Hunde fast täglich ein, um sich das Bauen von Gattern zu ersparen und gezielt Tiere herauslösen zu können.
erschienen am 7. August 2006
Quelle: abendblatt.de
Was auch passiert: Ein Hütehund muss das Maul halten. Jedes Bellen ist im Wettbewerb ein ebenso tödlicher Fehler, wie es ein Biss wäre.
..... und ich dachte, es sei genau umgekehrt, daß die Schafe mit Gekläffe zusammengehalten werden ?
Ich sehe schon, ich hab' nicht die geringste Ahnung.




